Häufig gestellte Fragen

Seit wann schreiben Sie Bücher und wie sind Sie dazu gekommen?

Die ersten Geschichten habe ich nur für meine Kinder geschrieben. 1989 hatte ich die Idee zu einem Buch für Jugendliche, um ihnen in einer spannenden Geschichte etwas über die Zeit des Nationalsozialismus und die Folgen bis heute zu erzählen: Großvater und das Vierte Reich. Ich habe das Manuskript an verschiedene Verlage geschickt, bekam viele Absagen und wollte schon aufgeben. Aber dann hatte ich ein Glück: Da meine Geschichte auch in Südafrika spielt, war sie in der Abteilung für Reiseliteratur gelandet. Dort saß eine Schülerin, die ein Praktikum machte und sich ein wenig langweilte. Sie fing an, meine Geschichte zu lesen, fand sie so spannend, dass sie das Manuskript höchstpersönlich in die Abteilung für Jugendliteratur brachte. Dort wollte man gerade eine neue Reihe über politische Themen mit neuen Autoren aufbauen. Und da kam mein Manuskript gerade richtig. So hat alles angefangen.

Besonders spannend ist der Anfang eines neuen Buches, wenn ich eine Idee habe und mit der Recherche beginne. Da meine Geschichten häufig in anderen Ländern spielen, fahre ich dorthin und reise durch das Land. Oft begleitet mich einer meiner Söhne. Wir erleben lustige Szenen, aber oft wird es auch gefährlich. So zum Beispiel, als wir uns bei der Recherche für mein Buch Der Baum der Tränen an der mexikanischen Grenze in den Bergen verirrt haben und beinahe unter die Schmuggler geraten sind.

Spaß habe ich, wenn ich Tennis spiele, lese oder reise. Schreiben ist intensive Arbeit, die mir Freude macht, die aber auch jede Menge Disziplin erfordert, bis man von der Idee zum fertigen Buch kommt

Ich liebe spannende Krimis und historische Biographien.

Das ist ganz unterschiedlich. An einem historischen Buch mit ca. 400 Seiten, für das ich Recherchen in Archiven auch im Ausland machen muss, benötige ich ungefähr zwei-drei Jahre. Allerdings schreibe ich parallel dazu meist noch ein Jugendbuch. Auch für meine Jugendbücher mache ich aufwendige Recherchen, die mich rund um die Welt führen. Das eigentliche Schreiben dauert dann ungefähr zwei Monate.

Viele Ideen zu meinen Büchern kommen mir, wenn ich mit meinen Schülern zusammen bin. Manchmal lese ich in der Zeitung oder sehe im Fernsehen etwas, das mir so wichtig erscheint, dass ich darüber eine Geschichte schreiben möchte. Auch auf meinen Reisen begegnen mir Menschen, die mich dazu bewegen, über ihr Schicksal zu schreiben. Geschichten schweben überall herum, man muss sie nur erkennen und einfangen.

Meine Geschichten sind immer eine Mischung aus Realität und Fantasie. Meist füge ich viele einzelne reale Erlebnisse und Begegnungen zu einer spannenden Geschichte zusammen. Die persönlichen Daten meiner Hauptpersonen ändere ich so, dass man die Person im echten Leben nicht wiedererkennen kann, um sie zu schützen

Wenn ich selber lese, möchte ich, dass am Ende alles gut ausgeht. Ein offener Schluss gefällt mir gar nicht – als Leser. Als Autor aber möchte ich, dass meine Leser nach der Lektüre weiterdenken und darum lasse ich den Schluss offen.

Wenn ich selber ein Buch lese und habe mich mit den Personen darin angefreundet, finde ich es auch schade, wenn ich am Ende des Buches Abschied nehmen muss. Wenn ich aber selber schreibe, ist das anders. Ich bin dann immer froh, wenn ich wieder etwas Neues schreiben kann, das macht das Schreiben spannender, als wenn ich an eine „alte“ Geschichte noch etwas anhänge. Außerdem können meine Leser dann selber überlegen, wie die Geschichte weitergehen könnte. Und so manch einer hat mir auch schon eine selbst geschriebene Fortsetzung geschickt.
Ich habe nur einmal eine Ausnahme gemacht und eine Forstsetzung geschrieben und das kam so:
Im März 2017 habe ich durch Österreich eine Lesereise gemacht mit meinem Buch „Talitha“ über die Geschichte eines Mädchens aus Syrien, das nach Deutschland flüchtet. Nach einer Lesung kam ein 14Jähriger Junge aus Syrien, Mohamed, zu mir und erzählte, dass er seit zwei Jahren mit seiner Mutter und Schwester in Österreich lebt. Sein Vater ist noch in Damaskus. Er sagte:“ Es ist alles so passiert, wie Sie es im Buch beschrieben haben.“ Die Situation in Damaskus, die Flucht, er ist sogar auf die gleiche Schule gegangen wie meine Hauptperson Talitha.
Er hat sich dann bei mir bedankt, weil jetzt seine neuen Schulkameraden wissen, was er erlebt hat und dass sie ihn nun besser verstehen, wenn er so oft traurig ist und Lernen für ihn wichtiger ist als Spaß haben. Denn er kann das alles noch nicht richtig auf Deutsch ausdrücken. Dann hat er zum 1.Mal selber vor der Klasse erzählt, dass, als er 3 Wochen in Österreich war, eine Bombe auf seine alte Schule gefallen ist und alle seine Freunde, 29 Jungen und Mädchen, gestorben sind. Da haben wir alle Tränen in den Augen gehabt.
Und er hat mir zum Abschied gesagt: „Sie müssen weiterschreiben! Die Geschichte ist nicht zu Ende, wenn man im Flüchtlingsheim angekommen ist. Ich bin hier in Sicherheit, kein Krieg, ich kann zur Schule gehen, ohne dass Bomben fallen. Aber ich bin immer noch ein Fremder hier. Und immer mehr Menschen sind gegen uns Flüchtlinge, weil sie glauben, jeder von uns ist ein Terrorist!“
Auch viele Lehrer sagten mir, dass es wichtig wäre, über die Integration zu schreiben und so habe ich mich zum ersten Mal bereit erklärt, eine Fortsetzung zu einem meiner Bücher zu schreiben: „Apfelblüten und Jasmin“

Zunächst mal braucht man eine Menge Fantasie. Dann sollte man mit Worten spielen können. Und schließlich benötigt man jede Menge Disziplin, sonst wird die schönste Idee niemals zu einer fertigen Geschichte.

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